Glück kann so leicht sein

„Genießen Sie die Ausstellung ab jetzt mit offenem Hosenschlitz. Wenn Sie keine Hose tragen, öffnen Sie die ersten drei Knöpfe Ihres Oberteils“ oder „Hüpfen Sie auf einem Bein durch den Flur“ – wer die Ausstellung „The Happy Show“ betritt, muss zuerst eine Karte ziehen. Eine Ausstellung zum Thema Glück – das macht neugierig und schürt auch insgeheim die Erwartung, dass, was auch immer einen da erwartet, glücklich macht. Gleich am Eingang wird einem jegliche Erwartung genommen und noch dazu bekommt man eine gar nicht so leichte Aufgabe mit auf den Weg.

DSCF1777

Etwa 40 Jahre verbringen Menschen in Mitteleuropa damit, zu arbeiten, danach 15 Jahre im Ruhestand. Es wäre doch viel schöner, ein wenig Ruhestand schon vorher einzulösen, dachte sich Stefan Sagmeister. Also verkürzt er seinen Ruhestand um 5 Jahre und nimmt sich diese dafür als einzelne Sabbatjahre zwischendurch. Stefan Sagmeister ist Designer und ein großer Name in der Musikindustrie – er designt vor allem Plattencover. In seinen Sabbatjahren macht er alles, worauf er Lust hat, und verwirklicht Design-Projekte, die kein Kunde beauftragt hat. Über das Thema Glück hat er dabei immer viel nachgedacht. In seiner Ausstellung zeigt er seine ganz persönliche Annäherung an das große Wort.

Wörter sind seine Objekte und seine Umwelt sein Baukasten. Er baut kluge Sätze, Lebensweisheiten, die ihm wichtig sind, als Kunstwerke zusammen. „If I don’t ask I won’t get“ geschrieben auf Luftballons und große Wasserbomben, die in einem Video zerplatzt werden, „You can’t please everyone“ geschrieben auf dicke und faltige nackte Körper, „Make the first step“ zusammengesetzt aus Stoffbahnen, die indonesische Tänzerinnen in einer Choreographie hochhalten.

Verspielt, mit Augenzwinkern und Leichtigkeit trichtert der Künstler seinem Publikum Mantren ein, die eigentlich ganz simpel, aber doch irgendwie weise sind. Wer dafür empfänglich ist, den begleiten sie noch auf dem Heimweg.

[Hintergrundmusik in einem der Ausstellungsräume, Musik von Siskiyou]

Auf meinem Aufgabenkärtchen stand übrigens „Gehen Sie zum Eingang der Ausstellung und singen Sie so laut Sie können ihr aktuelles Lieblingslied“. Das habe ich mich nicht getraut. Trotzdem habe ich am Ende nach gutem Überlegen einen Kaugummi aus der 10 gezogen.

DSCF1814b

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s